Seminarhaus SCHMIEDE, Lösungen in Beziehungen und Beruf
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Karin Loomans, Geführtes Zeichnen

Frau seinSeit nun mehr als 20 Jahren arbeite ich in Einzelstunden und Gruppen mit dem "Geführten Zeichnen". Die Arbeitsweise ist sehr einfach und für jede und jeden machbar. Man braucht keine Vorkenntnisse. Nur die Bereitschaft muss da sein, sich für die unbewussten und bewussten Kräfte und Energien in sich selbst zu öffnen, diese zuzulassen, anzuschauen und bereit zu sein, sie in Verantwortung zu nehmen.

Das Geführte Zeichnen kann jede/r machen. Mit geschlossenen Augen, in der linken und rechten Hand eine Kreide, lassen wir uns von der Tiefe führen. Indem wir einer Urform nachspüren und sie "einleiben", zentrieren wir uns. Und dies können wir viele Male wiederholen. Die von innen geführten Pole lassen ein ganz individuelles Bild entstehen. Darin bekommen wir unsere Situation, Blockaden und Begabungen, sowie die Richtung für unsere Wachstumsschritte gezeigt. Wichtig ist natürlich das reflektierende Gespräch, damit wir unsere Bilder verstehen und in Verantwortung nehmen können.

Man nimmt sich wahr im Sitzen, und man nimmt sich wahr mit Papier und Stiften. Die Form, die wir üben, gibt Halt und Richtung, bestätigt Empfindungen und deckt Unstimmigkeiten auf. Durch die Wiederholung sind wir zu gleicher Zeit in Bewegung und ganz in Ruhe. Das Weitersuchen und ein Sich-Finden entspricht dem momentanen Zustand und bezieht Vergangenheit und Zukunft mit ein. Das Wahrnehmen vom "Inbild" - das heißt zur inneren Wirklichkeit und Wirkkraft einen Bezug zu haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und unsere Energie konzentriert wirken zu lassen - geschieht ohne innerlichen Kraftverlust, d.h. nach dem Zeichnen fühlt man sich nicht erschöpft, sondern kraftvoll. Nicht gebrochen, sondern umbrochen zu sein, kann ein wirkliches Dasein ermöglichen. Das Zeichnen der Urform entwickelt sich in Wiederholungen, so dass der Weg frei gemacht wird für ein bewusstes Unbewusstes, ein personal Transpersonales.

Als Idealbild wirkt der ganze Mensch, der die Kraft zur schöpferischen Gestaltung und Verwirklichung in sich trägt, der lebendig ist und Zeugnis davon ablegt, was Carl Gustav Jung "Filius regius", den immanenten Christus - als Prägung in uns selbst - nennt. Die Urform hat eine Ursprungsqualität, das heißt eine transpersonale Qualität.

Der Zeichnende transformiert das Persönliche - was sich auch daraus erklären lässt, dass bei personalen Themen auch transpersonale Qualitäten erscheinen. Es geht darum, den Kontakt aufzunehmen, in den Dialog zu treten, aber nicht intentional wirken zu wollen.

Zeichnen, wenn wir uns eingelassen haben, durchschreitet Raum und Zeit - im Ahnen von und Streben nach, in Übermut und Demut, als ganz kleines Geschöpf und als Schöpfer, als Verzweifelter und Beglückter, als Neugeborener und Uralter, Öffnung und Grenze spürend, im Personalen und Transpersonalen.

Unsere Arbeitsweise stellt sich ein Entwicklungsziel, das in der Entdeckung der Ganzheitskraft des bipolar angelegten Menschen und deren Wiederherstellung angelegt ist.

Wenn derjenige, der zeichnet, das Gefühl hat, das Bild sei zu Ende, sage ich immer: "Lege die Kreide hin und lasse die Augen noch einen Moment geschlossen." Wenn wir die Augen öffnen, fangen wir sogleich an, anders mit dem Bild umzugehen. Und der Moment des Nicht-Sehens des Bildes und des Sprechens über das entstandene Bild zeigt sehr viel von dem Inneren desjenigen, der gezeichnet hat.

Das Bild oder die Bilderreihe, die entstanden ist, kann immer wieder angeschaut werden. Es erfolgt dann eine Entscheidung weiterzugehen. Die Geburt eines Bildes kann psychisch einen großen Aufschwung geben. Im Betrachten, Anschauen und Besprechen des Bildes klärt sich die aktuelle Bedeutung: eine Abklärung der bestehenden Lebenslage und Lebensqualität.

Das Zeichnen ermöglicht es, die in der unentwickelten Seite der Seele schlummernde Schöpferlust des Menschen anzusprechen und eine unentdeckte Quelle aufspringen zu lassen. Das Zeichnen kann ursprünglichen, sehr individuellen Impulsen Raum geben. Die sichtbar gemachten Spuren setzen ein Zeichen. Das Anschauen und Spüren des inneren Fortschrittes und das auch später wieder Anschauen-können. Das Gewinnen von neuen Einsichten gibt Selbstvertrauen. Man objektiviert und lässt erkennen, man schult und schärft sein Wissen und seine Unterscheidungskraft für Maß und Mitte, für Qualität und Dimension und man kann die Verantwortung dafür übernehmen.

Die zwei Arbeitsformen des Geführten Zeichnens sind das Exerzitium und die Prozessarbeit.

Das Exerzitium beruht auf Urformen, die der weiblichen Energie oder der männlichen Energie zugeordnet sind und deren Kombinationsformen. Jede Form hat sein eigenes Kraftpotential.

Durch das schlichte Wiederholen einer bestimmten Form kommt der/die Zeichnende immer mehr mit dieser Energie in Kontakt (leiblich spürbar). Das persönlich Erlebte hat so die Gelegenheit, sich damit zu verbinden, so dass die Urformen sehr individuelle Nuancen bekommen. Wenn z.B. fünf Personen einen Halbkreis - eine Schale - zeichnen, entstehen fünf sehr unterschiedliche Schalen. Von jedem Bild kann das Individuelle abgelesen werden.

Schale 1 eines 6-jährigen Jungen

Schale 2 des gleichen 6-jährigen Jungen

Schale 3 des gleichen 6-jährigen Jungen

Obige drei Bilder sind von einem 6-jährigen Jungen, der in der ersten Klasse ist und, ebenso wie im Kindergarten, auch jetzt in der Schule nicht spricht. Zuhause spricht er normal. Er ist der Älteste von vier Kindern. Er hat autistische Züge und kann sich ganz abrupt von seiner Umgebung lösen und sich in sich zurückziehen. Er spricht generell nicht gerne.

Diese drei Bilder zeigen die Schale. Der Junge fand es schwierig, dass die Schale im ersten Bild keinen Halt haben würde. Es fiele was durch. Und das ist letztendlich, was bei ihm auch geschieht. Er habe Verbindung ins All, wie er sagt, und häufig fehlt ihm die Verbindung mit der Erde.

Bild 2 fand er sehr schön, weil es so umfassend ist und auch so groß und so breit. Und nachdem er die Augen geöffnet hatte, stellte er mit links die Verbindung zur rechten Schalenhälfte her und sagte: "Jetzt ist es eine Schale."

Beim letzten Bild hat er sehr darauf geachtet, dass die rechte Hand mehr nach links geht und die linke Hand mehr nach rechts geht, so dass keine Öffnung in der Schale entstehen konnte.

Solche Bilder können ein Leitfaden für die weitere Behandlung sein.

Hier, wie so oft, fängt man mit dem Exerzitium an, das wie von selbst in die Prozessarbeit übergeht.

Der zweite Teil des Geführten Zeichnens ist die Prozessarbeit. Man zeichnet nun, um seinem eigenen Wesen näher zu kommen, um die Geheimnisse, die jeder Mensch in sich trägt, zu öffnen, um seinen eigenen Wesenskern selbst zu erfahren - fast als erfahre man eine Einweihung zu sich selbst.

Bei der Prozessarbeit sind natürliche Entwicklungsschritte sichtbar. Es geht um die Menschwerdung im umfassenden Sinne. Die Zeichnungen erfolgen schrittweise mit einem natürlichen Ablauf. Eine innere Führung zum Abbau des Alten wie zum Aufbau einer neuen "Weg-Leib-Orientierung" wird sichtbar. Das Zeichnen wirkt fast wie ein innerer Heiler, der die Möglichkeit gibt, die Urbilder, die in unserer Instinktseele wurzeln, zu verwirklichen. In der Prozessarbeit kann es sein, dass nur ein Bild entsteht. Meistens aber entstehen mehrere Bilder während einer Stunde.

Fast immer ist es so, dass das erste Bild die jetzige Situation oder die jetzige Fragestellung darstellt. Das letzte Bild kann uns eine jetzige Aufgabe, eine Lösung oder eine Vision geben. Es kann uns auch eine Vorschau geschenkt werden. Die Bilderreihe macht eine Eigenbehandlung sichtbar, die ein nachvollziehbares geheimnisvolles Geschehen ist. Man kann sehen, was man noch zu leisten hat oder was man tragen kann. Das Zeichnen bietet auch die Möglichkeit zur Wiederholung ohne Regression, um in unterschiedlichen Bewusstseinsstufen das Erfahrene neu einzuleiben. Deswegen hat der Prozess des Zeichnens auch sehr viel Bezug zum Alltag, zur Vergangenheit, zum Hier und Jetzt und zur Zukunft.

Es heißt Geführtes Zeichnen, da - wenn wir uns auf die Arbeitsweise einlassen - das Bild auf eine geheimnisvolle Art und Weise wie von selbst (d.h. nicht intentional) geführt wird. Durch das Zeichnen erhalten wir einen Zugang zum geheimen Wissen der Seele, zum Urgut der Menschheit. Wir können die Ganzheitskraft entdecken und die Verbindung wieder herstellen.

In den verschiedenen Schritten des Zeichnens ist es möglich, unentdeckte und auch unentwickelte Seiten aufspringen zu lassen, die auch Blockaden und Traumata ansprechen. Ein Bild ist so etwas wie eine Verwirklichung von göttlichen Elementen. Es schmilzt die grobstoffliche Natur und die ichhaften Ordnungen ein. Ein Bild besteht aus mehreren zusammenhängenden Symbolen und Strichen. Es knüpft an die Fragestellungen an, die jetzt reif sind, um ins Bewusstsein aufgenommen und auch angeschaut zu werden. Ein Bild hat eine andere Raum-Zeit-Wirklichkeit mit einer eigenen Sprache, mit einer eigenen Wirklichkeit, so wie das auch für einen Traum gilt.

Wir können ein Bild für sich anschauen, obwohl es auch ein Teil einer Bilderreihe ist. Ein Bild ist ein aktives Geschehen und ein meditatives Tun. Und das Schöne ist, dass wir immer wieder, auch nach längerer Zeit daran anknüpfen können, wo wir stehen geblieben sind, auch wenn mehrere Jahre dazwischen liegen. Natürlich schaut man die Bilder nicht nur künstlerisch und ästhetisch oder rational an. Es geht darum, was ich empfinde , mit welchem Sinne ich etwas erkenne und was so ein Bild für mein Leben und meinen Alltag beinhaltet. Was geschieht in und mit mir, während ich zeichne. Aber auch irrational - was bewirkt es in mir, wie wirkt es auf meine Intuition? Welche Eingebung mir durch diesen Zusammenhang kommt, kann ich ahnen und spüren.

Natürlich spielt auch die Strichqualität eine große Rolle, sowie die Blatteinteilung und die Zeichenrichtung. Ich kann erdverbunden, vital, sicher, fließend, kraftvoll, aggressiv oder zögernd, stockend oder stolpernd zeichnen oder mit Rissen und Brüchen, so dass die Kreide zu Bruch geht oder auch das Papier zerreißt.

Die folgenden Bilder sind von einer Frau gezeichnet, die Mitte dreißig ist und sich überlastet fühlt. Sie fühlt sich durch ihr Elternhaus, ihren Ehemann und die Kirche in ihrem Tun, Fühlen und Erleben eingeschränkt.

Bild 1 einer Frau, die Mitte dreißig ist und sich überlastet fühlt

Obiges Bild: Viele Schichten umschließen und verhüllen ihr Wesen. Sie fühlt sich zerrissen. Tatsächlich reißt das Papier von ganz unten bis ganz oben.

Bild 2 der gleichen Frau: eine neue Ebene, eine neue Person entsteht.

Obiges Bild: Auf dem darunter liegenden Papier zeichnet sie weiter - eine neue Ebene, eine neue Person entsteht.

Bild 3 der gleichen Frau: an der heftigsten Schmerzstelle entsteht eine Blüte

Obiges Bild: Die gleiche Frau zeichnet ihren Rücken. Auch hier zerreißt das Papier teilweise, sie macht schmerzerfüllte Laute dazu. Der Schmerz zentriert sich zwischen den Schulterblättern.

Sie ist sehr erstaunt, als sie mit geöffneten Augen ihr Bild anschaut und sieht, dass gerade an der heftigsten Schmerzstelle eine Blüte entstanden ist.

Bild 4 der gleichen Frau: 'Gnade' nennt sie ihr Bild

Obiges Bild: Dieses Bild wurde teils mit Kreide, teils mit den Händen gemalt, die schwarz von der Kreide sind. Sie empfindet sich in einem Auferstehungsprozess - "Gnade" nennt sie ihr Bild. Ein Mensch auf der Erde und mit dem Himmel verbunden.

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