Seminarhaus SCHMIEDE, Lösungen in Beziehungen und Beruf
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Gewinn durch Verlust. Die Kunst des Heilfastens

Verzicht nimmt nicht,
Verzicht gibt,
er gibt die Größe des Einfachen.

Martin Heidegger

Am Anfang jeder Heilkunst steht die Not. Nur der Betroffene kann wirklich helfen, nur der Verwundete kann heilen. Diese Grunderkenntnis scheint für alle helfenden und heilenden Berufe, auch für alle Therapieformen zu gelten. Wie aber wird aus jemandem, der Hilfe braucht, einer, der sie gibt? Wie wird aus einem Kranken ein Arzt?

Für Otto Buchinger sen., dem Pionier der Fastenbewegung in Deutschland (1878-1970), begann es Ende des 1. Weltkriegs mit dem niederschmetternden Eingeständnis, wahrscheinlich den Rest seines Lebens als Patient verbringen zu müssen. Als 40-jähriger war er an einer schweren rheumatischen Polyarthritis (Gelenkentzündung) erkrankt und hatte sich ein Leber- und Gallenleiden zugezogen. Auf Rat eines Freundes, der noch nicht einmal Mediziner war, begann er zu fasten, was ihn nach 19 Tagen vom Rheumatismus und dann noch einmal in einer vierwöchigen strengen Kur von den chronischen Leber- und Gallenentzündungen befreite. Den promovierten Arzt ließ diese Erfahrung nicht in Ruhe. Er studierte die medizinischen Vorgänge beim Fasten und wandte es bald als Heilmethode bei seinen Patienten an. Bis zur 1. Auflage seines Buches über das Heilfasten im Jahr 1935, eines Standardwerks, das noch heute gedruckt wird, hatte er bereits 3.200 Fastenprozesse begleitet!

Otto Buchinger stellte sich gegen den Trend der Zeit und seiner Erziehung. Seinen Vater schildert er als trinkfesten Korpsstudenten und Kettenraucher. Im Marinelazarett begegnet er den Folgen von Alkoholmissbrauch, Ehrenhändel, Prostitution. Wohin der Geist der Zeit und der Kreise, in denen er verkehrte, führt, wird ihm deutlich vor Augen gestellt. Angewidert wendet er sich ab. Nach seinem Selbstversuch im Fasten sucht er in den Schriften alter Völker und vieler Religionen und findet: Besonders in den Zeiten, in denen Ärzte noch Priester und Priester Ärzte waren, war auch das Fasten eine in vielen Völkern praktizierte Heilmethode und dazu eine Methode der religiösen Vertiefung.

Von Otto Buchinger stammt auch der Ausdruck "Heilfasten". Obwohl in der Öffentlichkeit gern mit Hungern verwechselt, ist es doch alles andere als das. Entscheidend ist zunächst ein freiwilliger Entschluss. Hungern müssen Menschen aus äußerer Not oder unter Zwang, zum Fasten entscheiden sie sich. Fastende lassen nicht eine Kur passiv über sich ergehen, sondern gehen innerlich und motiviert in diesen Prozess hinein. Der eine hofft auf die Heilung seiner körperlichen Leiden, der andere sucht darüber hinaus eine ganzheitliche Lebensumstellung. Oder dem Fastenden liegt an der spirituellen oder religiösen Vertiefung.

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Heilfasten und Diät sind zweierlei. Beim Heilfasten wird die (feste) Nahrung nicht nur eingeschränkt, sondern auf sie wird vollständig verzichtet. Außer etwas Gemüsebrühe und Obstsaft werden nur Kräutertee und Wasser, diese jedoch reichlich, getrunken. Dieses sog. Buchinger-Fasten mit einer täglichen Kalorienaufnahme von 100 - 200 Kcal im Unterschied zur Null-Diät, bei der nur Wasser getrunken wird, heilt - sachkundig und genügend lange angewandt - fast alle chronischen Krankheiten und alle Krankheiten, die durch Ernährungsfehler entstanden sind. Es steigert zudem die körperlichen Abwehrkräfte.

Der Fastenarzt Heinz Fahrner erklärt das Geschehen so:

"Weil das Fasten das gesamte Zellgefüge bis in die Molekularstruktur erreicht, werden alle krankengeschichtlichen Veränderungen, Defekte, und Ablagerungen in den betroffenen Organen, ja sogar in den Zellstrukturen und bindegeweblichen Grundelementen angesprochen. Die jüngsten Veränderungen sind am leichtesten und schnellsten erreichbar, die ältesten am langwierigsten und schwierigsten. Erst mit längerem Fasten kommen wir in die immer älteren Schichten unserer leiblichen Vergangenheit. Der ausgesprochen wechselhafte Fastenverlauf demonstriert geradezu die einmal gesunden, harmonischen Lebensabschnitte wie andererseits die gestörten, krankhaften: der Faster wiederholt seine eigene Krankengeschichte."

Zum Heilfasten gehört natürlich auch geeignete Begleitung. Ist es vor allem medizinisch motiviert, dann geht es nicht ohne Fastenarzt. Wer aus religiösen Motiven fastet oder um seiner leib-seelischen Ganzheit willen, wird sich auch dafür spirituelle oder im weitesten Sinn psychotherapeutische Begleitung suchen. Die Begleiterin oder der Begleiter, die nicht selten gleich selber mitfasten,

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Neun körperliche Wirkungen des Fastens

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Fastende sind - von Krisenerscheinungen abgesehen - besonders gelöst und offen, aufnahmebereit für innere Erfahrungen. Sie scheuen nicht die manchmal unbequeme oder sogar schmerzliche Selbstbegegnung. Das körperliche Fasten kann ja nicht nur Krankheiten heilen oder zumindest bessern, sondern im gleichen Maß Menschen auch aus quälenden und hemmenden Bindungen, aus seelischen Engen und Verstrickungen befreien. In Kursen entwickelt sich, nachdem die ersten schwierigen Tage überstanden sind, oft eine heitere, mitfühlsame Atmosphäre. Das Mienenspiel und die Gesten entkrampfen sich, werden harmonischer. Sogar die Schrift kann zügiger und klarer werden. Auch das Gefühlsleben kann sich aufhellen. Zuversichtliche Gedanken kommen, Ahnungen stellen sich ein. Die Lösung mancher Probleme liegt einem plötzlich klar vor Augen. Alte seelische Konfliktknoten können zur Lösung kommen, ganz ohne Psychotherapie, aber natürlich nicht ganz ohne Beistand. Die Haut verjüngt, strafft und klärt sich. Auch die Sinne werden schärfer, es kann deutlicher gerochen, gehört, geschmeckt, gesehen werden.

Und dazu können trainierte Faster erstaunliche Leistungen vollbringen: So mancher Sportler erreicht seine persönliche Bestzeit, mancher Schriftsteller schreibt seine besten Einfälle nieder. Kein Wunder, dass ein Faster den Tag, an dem er wieder anfing zu essen, als "Vertreibung aus dem Paradies" beschrieb.

Mahatma Ghandi, der das Fasten in der politischen Auseinandersetzung benutzte, dazu sich aber nie unter Druck von außen verleiten ließ, sondern nur der sanften Gewalt seiner inneren Stimme folgte, meinte rückblickend auf viele Fastenzeiten:

"Die Fastenzeiten sind ein Teil meines Wesens. Ich kann auf sie ebensowenig verzichten wie auf meine Augen. Was die Augen für die äußere Welt sind, das ist das Fasten für die innere."

Dokumentation zum Fasten (pdf)

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