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Initiatische Therapie

Die Initiatische Therapie wird den transpersonalen Psychotherapien zugeordnet. Sie versteht sich gleichermaßen als meditativer Übungsweg und als tiefenpsychologische Begleitung.

Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde sie von Prof. Dr. Karlfried Graf Dürckheim (24.10.1896-28.12.1988) und seiner späteren Frau Dr. Maria Hippius-Gräfin Dürckheim (14.1.1909-26.2.2003) entwickelt. Beide bauten die Existentialpsychologische Bildungs- und Begegnungsstätte in Todtmoos-Rütte im Schwarzwald auf. Diese wurde später eine Schule für Initiatische Therapie.

Prof. Dr. Karlfried Graf Dürckheim Dr. Maria Hippius-Gräfin Dürckheim

Nach Karlfried Graf Dürckheim meint das lateinische Wort "initiare" "das Tor zum Geheimen öffnen". Solche Öffnung kann in transpersonalen Erfahrungen erfolgen, in seelischen Erkrankungen oder auch in krisenhaften Schicksalsschlägen. Lebenskrisen werden von der initiatischen Therape als "göttliche Störung" verstanden. Sie stellen den ganzen Menschen in Frage und rufen sie oder ihn zu einer fundamental neuen Daseinsweise.

Werden diese Erfahrungen ernst genommen, können sie den Menschen in seinem Kern anrühren und eine Wandlung einleiten. Dabei setzt sich der Mensch mit Grundthemen wie der Angst vor dem Tod, der Verzweiflung am Widersinn der Welt und der Trostlosigkeit in der Einsamkeit auseinander. Als Ursache solchen Leidens sieht die Initiatische Psychotherapie die Trennung des Menschen von seinem überpersönlichen Wesen. Der Mensch ist doppelten Ursprungs, sagt Dürckheim: er ist irdischen und himmlischen Ursprungs. Folgt er nur seinem irdischen Ursprung, läuft er Gefahr, sich in Leistungsstreben und Rationalität zu verfangen und die wahre Sinnhaftigkeit zu verfehlen.

Rütte

Als Gegenpol zu den klassischen pragmatisch orientierten Therapieformen bezieht die Initiatische Therapie den spirituellen Bezug bewußt in die therapeutische Arbeit mit ein. Sie ist nicht nur auf Symptombehebung gerichtetet, sondern will, dass der Mensch sich seiner Ganzheit annähert und sich seines „doppelten Ursprungs“ bewußt wird. Das bedeutet, dass er sowohl weltbezogen als auch sich seinem Wesen verpflichtend seinen Alltag gestaltet.

Die therapeutischen Verfahren zeichnen sich aus durch eine Verknüpfung von schöpferischen und künstlerischen Medien: Arbeit mit Tonerde, Zeichnen, Farbe, Musik, Stimme, Tanz, Gebärde und Schwert, der Arbeit an der Biographie und dem Exerzitium sowie dem Tun im Alltag.

Die Initiatische Therapie meint immer zugleich Initiation und Individuation, Erfahrung und Wandlung. Sie unterstützt und begleitet Menschen in ihrer Suche nach Sinn. Sie bietet Hilfe bei einer Gestaltung des Lebensweges, die sich auf die existentielle Dimension des Menschen gründet. Seelische und psychosomatische Störungen werden in der Initiatischen Therapie als Zeichen für Hindernisse auf dem Weg der menschlichen Reifung verstanden. In diesem Sinne steht nicht die Beseitigung von Krankheitssymptomen im Vordergrund, sondern die ganzheitliche Heilung des Menschen, die Rückbindung an seinen Wesenskern.

Aus der Graphologie heraus entwickelte Maria Hippius das "Geführte Zeichnen", eines der Hauptmedien der Initiatischen Therapie. Graf Dürckheim trug, inspiriert durch seine intensive Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus ähnlich wie Hugo Makibi Enomiya-Lasalle viel zur Verbreitung des Zen in Deutschland bei. Die Initiatische Therapie wurde jedoch nicht nur durch Zen, sondern auch maßgeblich durch die Tiefenpsychologie von Carl Gustav Jung und Erich Neumann inspiriert. Außerdem flossen Elemente der westlichen Mystik und der Ganzheits- und Gestaltpsychologie mit ein.

Eine initiatische oder transpersonale Erfahrung kann einen inneren Prozeß auslösen: den initiatischen Weg. Das Ziel dieses Weges ist die Verwirklichung eines dauerhaften Bezugs zur Transzendenz. In Einzel- und Gruppenstunden wird besonders an zunehmender Bewußtheit gearbeitet. Diese therapeutische Arbeit wird mit dem "Exercitium ad integrum" (der Übung zur Ganzwerdung) verbunden, wie sie z.B. im Aikido, dem Tai-Chi, verschiedenen Formen des Yoga und dem Zazen angeboten wird. Auch in Träumen werden im Hinblick auf den Individuationsprozess (Carl Gustav Jung) relevante Themen sichtbar. Außerdem ist natürlich immer der Alltag als Übungsfeld mit einbezogen.

Rolf Zundel, Der Weg nach innen. Karlfried Graf Dürckheim und Maria Hippius - östliche Weisheit im Schwarzwald heimisch gemacht (pdf)

Wichtige Werke von Karlfried Graf Dürckheim:

Seine Biografie verfasste Gerhard Wehr: Karlfried Graf Dürckheim. Ein Leben im Zeichen der Wandlung. München 1988

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