Seminarhaus SCHMIEDE, Lösungen in Beziehungen und Beruf
Annette und Günter W. Remmert M.A., Römerstr. 5, 54298 Welschbillig (Nähe Trier/Luxemburg)
www.seminarhaus-schmiede.de, Fon +49 (0) 6506 577, Mobil +49 (0) 174 3055198, Fax +49 (0) 6506 578

Richtige Proportionen

Fantasiereise aus der Psychosynthese

In allen Einzelheiten stelle ich mir den Raum vor, in dem ich mich befinde wie auch die angrenzenden Räume und die übrige Umgebung. Dann stehe ich auf, um aus dem Raum zu schweben und dann aus dem Haus. Aus einiger Entfernung und Höhe bekomme ich ein klares Bild von dem Gebäude und seiner Umgebung. Ich stelle mir vor, wie das Gebäude unter mir kleiner wird, während ich höher und höher hinaufkomme. Von dort aus kann ich das ganze Gebiet überblicken, in dem ich lebe: die Häuser, Straßen, Bäume, Gärten, große und kleine Bauwerke. Die Menschen und Autos sind kaum noch zu erkennen. Ich denke daran, wie dort unten jeder das Zentrum seiner eigenen Welt ist, mit seinen eigenen Gedanken und Hoffnungen, Problemen und Anliegen. Ich sehe zu, wie sich die Menschen dort unten bewegen, was sie in ihrem Zuhause tun und denken und wie jeder sein eigenes Leben führt. ...

Weiter steige ich nach oben. Das Blickfeld erweitert sich, so dass ich auch andere Städte sehe, grüne Felder, Berge und Seen. Und während ich immer höher steige, kann ich das Meer erkennen, andere Länder und Kontinente und große Wolkenbänke unter mir am Himmel. - Jetzt bin ich bereits so weit oben, dass ich den ganzen Planeten Erde unter mir sehen kann, blau und weiß, wie er sich langsam und unmerklich im leeren Weltraum um seine eigene Achse dreht. Aus dieser gewaltigen Höhe kann ich die Menschen nicht länger identifizieren, ich kann ihre Existenz nicht einmal erraten, aber ich kann an sie denken - über 5 Milliarden Menschen. Jeder lebt auf diesem gleichen Planeten und atmet die gleiche Luft. Über fünf Milliarden Herzen schlagen in den Menschen verschiedenster Rassen dort unten. ...

Während ich mich noch weiter von der Erde entferne, wird sie kleiner und kleiner. Andere Planeten kommen in meinen Blickfeld: Zuerst der Mond, dann die strahlende Venus, der rote Mars, der große Jupiter - das ganze Sonnensystem wird sichtbar. -

Die Erde ist nun verschwunden, die Sonne ist nur noch ein winziger Lichtpunkt unter unzähligen anderen Sternen und ich verliere sie aus den Augen. Milliarden anderer Sterne umgeben mich nun auf allen Seiten. Es gibt kein "oben" und kein "unten" mehr. Und diese Milliarden Sterne bilden nur eine Galaxie im Universum, eine unter unzählig vielen Galaxien, die sich in alle Richtungen in die Unendlichkeit dehnen. Hier gibt es kein "morgen" und kein "gestern", keine Hast, keine Eile, Zeit und Raum sind unendlich. Hier herrscht Frieden, hier gibt es nur funkelndes Staunen. -

Wenn mir danach ist, bereite ich mich darauf vor, wieder die Augen zu öffnen und den Geist der Unendlichkeit und Weite mit zurück zu bringen.

Psychosynthese-Ei

Tempel der Stille

Fantasiereise aus der Psychosynthese

Ich bereite mich für einen kleinen Spaziergang in der Welt der Phantasie und lasse zu diesem Zweck meinen Körper ruhig und entspannt in diesem Raum liegen, um ungehindert mit den Kräften meiner Phantasie ins Freie zu gelangen. Dort schlage ich in der freien Natur einen Weg ein, den ich vielleicht bereits einmal gegangen bin oder der jetzt vor meinem inneren Auge neu entsteht. Es ist ein warmer sonniger Tag. Ich spüre die angenehme Atmosphäre, die mir wohl tut, das warme Sonnenlicht und eine sanfte Brise auf meiner Stirn.

So gehe ich einfach so vor mich hin, ohne besonderes Ziel oder eine besonder Absicht, ohne mir viele Gedanken zu machen. Ich genieße es einfach, unterwegs zu sein, lebendig, einfach da zu sein.

Nach einer Weile komme ich an ein Tor. Vielleicht ist es nur ein Gatter, wie es Weiden voneinander trennt, vielleicht sieht es größer und mächtiger aus. Instinktiv spüre ich, dass ich, wenn ich meinen Weg fortsetzen möchte, etwas an diesem Tor zurücklassen muss. Und wie mir das innerlich klar wird, merke ich, dass ich die ganze Zeit einen Rucksack getragen habe, ein beschwerliches Gewicht auf meinem Rücken, das Kraft kostete und mich niederdrückte. Diesen Rucksack ziehe ich aus und öffne ihn. Wie ich dies tue, entdecke ich, dass er mit Steinen gefüllt ist. Jeder Stein symbolisiert eine Sorge, etwas, das mich plagt und drückt, das mich innerlich beschäftigt und niederdrückt. Manche Steine tragen Aufschriften, die ich lesen kann, Namen von Menschen, mit denen ich es schwer hatte, Sorgen um die Zukunft, die Gesundheit, mein Wohlergehen oder wie auch immer. Ich kann mir einige dieser Steine anschauen und sie aus dem Rucksack entlassen. Vielleicht kann ich sogar den ganzen Rucksack an dieser Stelle zurücklassen.

Nach einer Weile wandere ich dann weiter. Nun begrüßt mich ein Murmeln, das wie nach einem Wasserlauf klingt. Und tatsächlich, wie ich weitergehe, komme ich zu einer Quelle, die in einen ruhigen kleinen See plätschert. Mir ist vielleicht heiß oder ich bin müde von der Wanderung - hier kann ich Pause machen, mich erholen und erfrischen. Vielleicht möchte ich meine Stirn kühlen oder die Hände und das Gesicht waschen. Vielleicht fühle ich mich auch eingeladen, meine Kleider insgesamt abzulegen und in dem frischen, angenehmen Wasser zu baden. Ich genieße es und spüre die wohltuende Wirkung des Wassers auf meiner Haut, seine reinigende, erfrischende, erneuernde Kraft. Wenn ich nach meinem Bad wieder an Land steige, sehe ich, dass auf geheimnisvolle Weise neben meinen alten Kleidern neue liegen. Sie sehen besonders bequem und gepflegt aus, haben freundliche Farben und sind aus Materialien, die der Haut gut tun. Wenn ich will, kann ich diese neuen Kleider anziehen, um weiterzugehen und die alten zurücklassen.

Dann setze ich meinen Weg fort. In einiger Entfernung sehe ich einen grünen bewachsenen Hügel, auf dessen Spitze ein Gebäude schimmert. Ein Weg führt zu diesem Hügel und dann nach oben. Ich erlebe meinen Körper, während ich den Weg weiter und dann auch hinaufgehe, spüre den Boden unter meinen Füßen und die sanfte Brise auf meinem Gesicht. Ich sehe die Bäume, Büsche, das Gras und die wilden Blumen um mich herum, während ich aufwärts wandere. Langsam nähere ich mich der Hügelspitze, wo ich nun den Tempel der Stille sehen kann. Er ist es, der dort oben auf mich wartet und mich insgeheim auf sanfte Weise anzieht.

Dieser Tempel hat die gleichen Formen und Eigenschaften wie mein tiefstes Bewusstsein: er ist edel, harmonisch und strahlend. Zeitlose Stille durchzieht die Atmosphäre rund um den Tempel der Stille. Hier ist noch nie ein Wort gesprochen worden. Ich stehe jetzt ganz nahe vor dem großen hölzernen Portal. Mit meinen Händen spüre ich die Maserung und Wärme des Holzes. Bevor ich die Tür aufmache, bin ich mir bewusst, dass ich dann von vollkommener Stille umgeben sein werde.

Dann trete ich in den Tempel ein. Ich fühle mich von Frieden und Ruhe umhüllt und spüre die Geborgenheit in dieser ungestörten Atmosphäre. Dann gehe ich weiter in den Tempel und in die Stille hinein und schaue mich dabei um. Über mir sehe ich eine große leuchtende Kuppel. Aber das Leuchten kommt nicht nur von den Sonnenstrahlen, sondern scheint auch von innen heraus zu kommen, von einer geheimnisvollen Lichtquelle, die weiter vorne liegt. Mit ein paar Schritten trete ich in diese leuchtende Stille ein. Sie kann mich ganz in sich aufnehmen. Strahlen warmen, segnenden und Kraft spendenden Lichts umhüllen mich, strömen durch meinen Körper, fließen durch jede Ader, jede Zelle meines Wesens. Ich bleibe einige Minuten in dieser leuchtenden Stille, gesammelt und ganz wach. Ich kann der Stille zuhören. Stille ist eine lebendige Qualität, nicht nur die Abwesenheit von Geräuschen.

Langsam verlasse ich dann zu einer Zeit, die mir recht erscheint, das leuchtende stille Feld, gehe durch den Tempel zurück und durch das Portal hinaus. Draußen öffne ich mich weit dem Eindruck des Natur, spüre wieder die sanfte Brise auf meinem Gesicht und lausche dem Gesang der Vögel. Nun bereite ich mich langsam auf den Rückweg. Aber wenn ich das Gefühl habe, ich sollte noch ein wenig hier oben verweilen, gebe ich mir die Zeit hierfür. Erst wenn es für mich recht ist, mache ich mich auf den Heimweg. Er führt mich wieder an der Quelle vorbei, wo ich Rast machte und wo ich auch meine alten Kleider wiederfinde, die ich, wenn ich will, wieder anlegen kann.

Der Weg führt auch wieder durch das Sorgentor, wo ich die Steine aus meinem Rucksack zurückgelassen habe. Ich nehme wahr, welches Verhältnis ich jetzt zu ihnen habe und was ich mit ihnen tun will. Schließlich kehre ich in meiner eigenen Zeit an den Ort und in die Zeit zurück, aus der ich aufgebrochen bin. Und ich schlüpfe möglichst vollständig wieder zurück in meinen Körper, der geduldig auf mich gewartet hat, während ich unterwegs war.

Aus: Piero Ferrucci, Werde, was du bist. Selbstverwirklichung durch Psychosynthese. [Originalausgabe: Crescere; Italien 1981. What we may be; Los Angeles 1982] Sphinx Verlag Basel 1984 (auch: rororo-transformation-TB 7980), 1987, S. 278 ff

top